Tirolfahrt 2007,
unsere alljährliche Tirolfahrt hatten wir 2007 um einige Wochen nach "vorne" verlegt.
Wir fuhren vom 19.8. bis 24.8. wiederum nach Südtirol, dort auch wieder in unser
hochgelegenes Storchennest nach Aschbach 1370 Meter ü.NN und da wiederum zu
Ilke, der Wirtin des Aschbacherhof .
Vorverlegen mussten wir unsere Fahrt, weil mein Funkerfreund Franz (DK7RF) und
auch ich zur üblichen Zeit wichtige andere Termine hatten. ( Das muss man
verstehen , "wir sind Rentner und da hat man keine Zeit mehr! " :--)))) Dieses Jahr
waren wir wieder nur zu dritt, Roman Reinhard, Regner Franz schon als Funker
erwähnt und meine Wenigkeit Ebert Franz. Peter Hauselt (unser Werktätiger) konnte
dieses Mal nicht an unserer Fahrt teilnehmen, weil im letzten Augenblick sein schon
seit langem eingetragener Urlaub geändert wurde. Die Arbeit kommt halt immer noch
vor dem Vergnügen! Außerdem muss ja jemand unser Rente verdienen. :--)) Wie die
letzten Jahre auch fuhren wir, um schneller in die kurvenreichen Alpen zu kommen,
die ersten 250 km auf der Autobahn, einfach nur um einige Zeit gut zumachen, die
wir dann in den Bergen rumhängen konnten. Nach einer Tankpause in München,
machten wir die erste größere Rast in Garmisch. Der Himmel hatte sich inzwischen
total zugezogen, aber von unserem Rastplatz aus konnte man die Wetterentwicklung
auf der anderen Seite der Garmischer Berge nicht beurteilen. Um so mehr waren wir
überrascht, als wir am Zirlerberg in das Inntal schauen konnten. Wir hatten uns
vorgenommen, das Inntal hinauf zufahren und als Alpenübergang das Timmelsjoch
zu benutzen. Aber das konnten wir vergessen: Im Tal zu unserer rechten Seite stand
ein Gewitter, das sich sehen lassen konnte. Es blitzte ununterbrochen und das
Ganze zog sehr rasch in unsere Richtung. Inzwischen hatte uns der Regen erreicht
und nach ganz kurzer Besprechung waren wir uns einig, dass jetzt nur der Brenner
als Übergang in Frage kam. Wir ließen unsere Böcke so schnell laufen, wie es der
inzwischen recht heftige Regen erlaubte.
Schnell ging es durch Innsbruck, wo wir uns kurz verfuhren, die alte Brennerstrasse
hinauf. Auf der Höhe des Kiosk an der Europabrücke hatten wir es geschafft: Wir
waren dem Regen davon gefahren. Ganz so einfach wie es sich liest war es dann
doch nicht. Immer wenn wir eine kleine Pause einlegten, holte uns der Regen wieder
ein. So ging es fast bis Sterzing. Hier hatte es wohl schon vor unserer Ankunft
geregnet, denn die Strassen waren recht unterschiedlich, mal nass mal trocken. Wir
überlegten kurz welche Strecke wir nehmen wollten. Nachdem wir letztes Jahr über
das Penser Joch gefahren waren, wählten wir heuer den Jaufen für unsere
Weiterfahrt. Roman fuhr vor mir und Funkerfranz als Letzter. Irgendwo auf der halben
Passhöhe passierte es: Roman fuhr recht flott den Berg hoch immer ca. 30-40 Meter
vor mir. Er verschwand um eine Kurve und als ich hinterher kam, "oh mein Gott" lag
ein Motorrad vor mir auf der Straße. In Sekundenschnelle gingen mir eine Unzahl von
Gedanken durch den Kopf. Roman hatte vor 2 Jahren einen Wirbelbruch! Was sag
ich seiner Frau Maria, es kommen Autos nach die hoffentlich rechtzeitig bremsen,
wo bekommen wir jetzt schnell einen Sanka her und alles Mögliche noch.? Aber es
war noch einmal gut abgegangen. Bis ich halten und absteigen konnte war Roman
schon wieder auf den Beinen. Funkerfranz war auch gleich da und gemeinsam
stellten wir das "Rädchen" wieder auf die Beine. So ein Motorrad ist übrigens ganz
schön schwer. Roman hatte außer einem gehörigen Schrecken nichts abbekommen.
Der Schaden am Moped hielt sich auch in Grenzen: Abschleifspuren an der
Verkleidung und am Koffer lassen sich bestimmt wieder reparieren. Den restlichen
Berg hoch ist Roman dann schon ein wenig verhaltener gefahren. Die Ursache war
wohl, dass er in der Kurve zu schnell Gas gegeben hatte und auf der nassen Straße
das Hinterrad wegrutschte. Dass es so gewesen sein musste, hatten wir oben am
Passübergang bei einer kurzen Nachbesprechung "beschlossen" !!
Den Jaufen ging es auf der Meranerseite hinunter, in Meran verkehrt durch die
Einbahnstrasse und schon waren wir bei unserem Quartier, dem Aschbacherhof.
Neugierig waren wir schon, was die Wirtin des Aschbacherhof wohl gemacht hatte.
Führte sie ihr Gasthaus noch? Ihr Mann Robert war vor ca. 2 Jahren viel zu früh an
einer tückischen Krankheit verstorben. Ilke, die Wirtin hatte uns bei unserem letzten
Besuch erzählt, dass sie nicht wusste, ob sie das Gasthaus halten könne oder
nicht! Aber zu unserer Freude begrüßte uns Ilke bei unserer Ankunft persönlich, es
schien alles gut gegangen zu sein.
Der Abend wurde trotz aller Müdigkeit recht lange und auch recht feucht!!!
Der nächste Morgen überraschte uns mit dichtem Nebel. Der Aschbacherhof liegt auf
1370 Meter und wir saßen mitten in einer Wolke. Außerdem regnete es so, dass
nicht an das Motorradfahren gedacht werden konnte. So saßen wir einige Zeit herum
und entschlossen uns schließlich dazu, gleich am ersten Tag einen motorrad- freien
Tag einzulegen. Am späten Vormittag machten wir uns auf und fuhren mit der
Seilbahn ( nicht unbedingt zu meiner Freude, ich bin kein Freund von Seilbahnen)
hinunter nach Rabland, dem Ort in dem die Seilbahn endet. Hier verbrachten wir
unseren ersten Tag mit dem Besuch einer alten Kirche ( Roman ist in Sulzbach
Kirchenpfleger am Annaberg und immer interessiert, was andere Kollegen aus dieser
Branche so machen). Außerdem besuchten wir einige Wirtshäuser um
entsprechende Trinkproben zu machen. Bei einem Vintschgauer Obstbauern ließen
wir uns seine Apfelernte, mit der gerade begann erklären. Dass wir dabei auch Äpfel
zum Probieren bekamen ist auch klar. Nach dem Mittagessen unternahmen wir
noch einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Etsch. Anschließend ging es mit
der Seilbahn wieder zurück in unser Storchennest, den Aschbacherhof.
Am Dienstag war es soweit: Motorradwetter! Sonnenschein pur, nur einige
Haufenwolken zierten den Himmel. Als Ziel hatten wir uns das Sellamassiv mit
seiner Umgebung ausgesucht. Bisher hatten wir diese Tour immer entgegen dem
Uhrzeigersinn, also von Bozen aus über den Karer-Pass, Canazei, Sella-Pass,
Wolkenstein, Kastelruth und wieder zurück gefahren. Dieses Mal hatten wir uns
vorgenommen, das Ganze einmal von der anderen Seite aus zu anzugehen. Von
Bozen aus fuhren wir nach Norden bis Waidbruck. Dort ging es rechts ab durch
einen Tunnel zum Pass Panei ( habe ich noch nie gehört) und weiter in Richtung
St.Ulrich, St.Cristina, Wolkenstein. Unser Ziel war der Grödner- Pass, denn den
hatten wir alle drei noch nicht gefahren. Inzwischen hatte sich der Himmel total
zugezogen. Auch alle Autos kamen uns mit Licht entgegen, was nichts Gutes
bedeutete. Oben am Grödner-Pass angekommen war es soweit: Es regnete,
Temperatur 7°C ! ! ! Wir fuhren also in dichtem Regen durch Corvara über den Pass
Campolongo hinunter nach Arabba, den Pordoi hinauf und wieder hinab, über den
Karer-Pass nach Bozen zurück ins Quartier. Das war Wetter, bei dem man sich das
Motorradfahren abgewöhnen konnte! :--(((( Es bedurfte einer ganz langen und sehr
heißen Dusche bis ich mich einigermaßen wohlfühlte! Abendessen, 2 Bier und dann
war ich fertig für das Bett.
Am Mittwoch fuhren wir in Richtung Süden nach San Romedio. Das liegt in der Nähe
von Sanzeno, östlich der Talsperre Lago di Santa Giustina. Das Kloster San
Romedio erinnert ganz entfernt, so hoch wie es auf einem Felsen sitzt, an
Neuschwanstein! Zuvor hatten wir in Unterlana, in der Pfarrkirche "Maria-Himmelfahrt"
den mit 14,10 Metern Höhe größten geschnitzen Flügelaltar in Tirol besichtigt.
Roman musste wieder kontrollieren, ob die Kollegen dort auch alles richtig machen :-
-))).
Insgesamt wurde es eine recht gemütliche Motorradtour. Zu San Romedio gibt es zu
sagen: Es handelt sich um einen Wallfahrtsort, vom heiligen Romedius gegründet (7.
und 8. Jahrhundert). Man nennt ihn auch den Heiligen mit dem Bären. Der Sage
nach soll ein Bär sein Pferd aufgefressen haben und Romedius zähmte den Bären
und ritt mit diesem zum Bischof von Trient um seine Anliegen vorzubringen. ( wir
hatten ein wenig gelauscht, im Kloster hatte ein älterer Herr, einer Gruppe die Anlage
erklärt und wir waren da immer mitgegangen, um auch etwas zu erfahren)
Um zum Kloster zu kommen musste man zunächst über ca. 180 Stufen den Berg
erklimmen. Oben angekommen war aber noch nicht Schluss. Das Gebäude ist auf
eine Felsspitze gebaut und um bis oben an das Grab des Heiligen zu kommen,
musste man noch einmal die gleiche Anzahl an Stufen hinter sich bringen. Dem
Kloster angegliedert ist auch ein Bärengehege, in dem die Mutter von "Bruno", dem
Bären, der in Bayern erschossen wurde, lebt! Ich nehme an Bruno ist von hier
ausbüchst und auf Wanderschaft gegangen. Sehr überrascht waren wir auch über
den Preis, den wir für die Besichtigung und die Fahrt dorthin, ( es ist alles privat und
man wird mit Bussen ca. 4km bis zum Kloster gefahren und auch wieder abgeholt)
bezahlen mussten. Alles kostete, man kann es nicht glauben 1 € " in Worten einen
Euro"! Was gibt es bei uns an solchen Orten für 1 € ??? Für die Rückfahrt nach
Meran wollten wir natürlich nicht die gleiche Strecke benutzen wie zur Hinfahrt. Wir
entschieden uns für einen ganz kleinen Pass, der in der Karte kaum zu finden war.
Von Sanzeno fuhren wir auf der gleichen Strecke die wir gekommen waren zurück
bis kurz vor Fondo. Nach den unterstellen wegen eines kurzen Regenschauers ging
es zurück zum Quartier!
Am Donnerstag machten wir uns auf, um Ötzi in Bozen zu besuchen. Eine ganze
Weile irrten wir in Bozen umher, ständig nicht weit vom Archäologischen Museum
entfernt, aber die ewigen Einbahnstraßen ließen uns einfach nicht an das Museum
herankommen. So stellten wir unsere Motorräder in der Nähe ab und gingen das
letzte Stück zu Fuß. Im Museum machen sie einen schönen Wirbel um den Kerl.
Zwei Stockwerke sind mit Darstellungen über die Lebensumstände, mit Filmen vom
Fundort und der Bergung der Mumie angefüllt. Im 2.Stockwerk endlich kam Ötzi
persönlich. Die Mumie lag in einer Kältekammer und durch ein Fenster von ca. 50
mal 60 cm konnte man sie betrachten. Auf unsere zweifelnde Frage, an eine
Aufsichtsperson, ?ob der denn echt sei weil er so glänzt als wäre er aus Wachs?,
antwortete uns der total entrüstete Mann: "Natürlich ist der echt. Schon allein der
Aufwand seiner Aufbewahrung zeige, dass er keine Nachbildung sei. Dies sei eine
Stahlkammer in der er zur Sicherheit liege und er glänze so, weil in der Kammer
immer 6°C Minus herrschen und der Körper immer wieder mit Wasser besprüht
werde, um eine Eisschicht zu halten. Allein die Kühlung koste 600 € ? pro Tag
meinte er ." Der Andrang zur Besichtigung war selbst an einem Wochentag recht
groß. Nach Ötzi fuhren wir noch zum Nigerpass. Von Bozen Richtung Osten bis
zum Karersee, dann nach Norden zum Rosengarten. Von dem sahen wir leider
nichts, denn so wie es sich für diesen Motorradurlaub gehörte, hatte es am Karersee
schon wieder zu regnen angefangen. Oben am Pass hingen die Wolken wieder bis
auf die Teerdecke. In einem Gasthaus, vor dem schon einige Motorräder standen,
machten auch wir halt und warteten bei einem Cappuccino den Regen ab. Der
Nigerpass selbst hatte mir, besonders auf der Seite von der aus man in das
Eisacktal schauen kann, sehr gut gefallen. Wenn ich wieder einmal bei vielleicht
besserem Wetter in der Gegend bin, werde ich mir diesen Landstrich bestimmt noch
einmal ansehen! Zurück ins Quartier ging es wieder über Bozen.
Freitag, die Heimfahrt stand an. An diesem Tag herrschte das beste Wetter des
ganzen Urlaubs. Sonnenschein von Meran bis Sulzbach. Nachdem wir auf der
Hinfahrt das Timmelsjoch nicht fahren konnten, wollten wir es bei der Rückfahrt
nachholen. Zum Fahren ist inzwischen auch die italienische Seite besser als noch
vor einigen Jahren. Dafür wurden wir auf der Passhöhe zu Österreich an der
Mautstation auf das Unangenehmste überrascht. 11.-? Maut für ein Motorrad fanden
wir schon unverschämt. Dass solche Bergstrassen viel Geld für den Unterhalt kosten
ist sicher unbestritten, aber so übertreiben müsste man auch wieder nicht! Die
restliche Heimfahrt verlief ohne Probleme.
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