Von einem großen, länderübergreifenden Flugerlebnis kann ich nicht
berichten , aber einige schöne Stunden in der Luft über unserer bayerischen
Heimat sind es auch wert, erwähnt zu werden, glaube ich!
von
Franz Ebert
Am Sonntag, den 14.10. ging ich nach längerer Zeit wieder
einmal vormittags zum Flugplatz in Amberg. Nach dem Aufbau
der nötigen Anlagen wie Winde, Startbus und Ähnlichem, fragte
mein Fliegerkollege Rogi, ob ich Lust hätte, mit ihm nach
Beilngries zu fliegen? Ich ließ mich nicht zweimal bitten und
sagte sofort zu. Grund des Ausfluges war die Tatsache, dass man
bei Ostwind über den westlich des Ortes Beilngries liegenden
Höhenrücken, mit dem darauf liegenden Schloß Hirschberg, den
Platz anfliegen würde. Dieser Anblick war an einem so schönen
Herbsttag jeden Weg wert. Außerdem wollten wir einmal den
Kaffee im dortigen Flugplatzrestaurant probieren.
Start in Amberg war um 11:30 und nach Erreichen unserer
Reiseflughöhe legte Rogi die Dimona horizontal und ließ das
Maschinchen laufen. Mit 170 bis 180 Km/h ging es in absolut
ruhiger Luft in Richtung Süden. Ich hatte meine Digitalkamera
mitgenommen, denn an einem so farbigen Herbsttag erhoffte ich
mir eine gute Ausbeute an Luftaufnahmen. Die ersten Bilder
machte ich deshalb schon nach kurzer Zeit in Ursensollen. Hier
fotografierte ich, wie schon öfter in letzter Zeit, das dort
wachsende Gewerbegebiet. In späteren Jahren wird es sicher von
Interesse sein zu sehen, wie es gewachsen war. Als größte
Baumaßnahme ist das neue Autozentrum der Firma Faderl schon
recht weit gediehen.
Über Lauterhofen ging es weiter in Richtung Neumarkt. Als die
Stadt in Sicht kam, sah ich vor uns, ca. 200 Meter tiefer ein
Flugzeug, das auch in unsere Richtung flog. Wir waren am
Ultraleichtflugplatz Günching angekommen. Wir konnten
beobachten , wie der Flieger unter uns eine 90° Kurve einleitete
und gleich darauf mit einer erneuten Kurve auf Gegenkurs ging:
Er flog wohl die Platzrunde für Günching. Während wir den
Kollegen beobachteten sah ich, dass er genau über einer kleinen
Kapelle gedreht hatte. Ich nahm die Gelegenheit wahr und
„schoss“ einige Aufnahmen von dem Bauwerk. Am darauf
folgenden Montag machte ich mich daran, meine Aufnahmen zu
sichten und auszuwerten. Diese kleine Kapelle erregt meine
Neugierde. Es interessierte mich, wo sie genau lag, wie sie hieß
und aus welchem Grund sie erbaut worden war. Ich überlegte hin
und her wie ich es anstellen konnte, meine Neugierde zu
befriedigen.
Am Mittwoch kam nach Mittag die Sonne durch den anhaltenden,
zähen Nebel und ich entschloss mich, den sonnigen Nachmittag
noch für eine kurze Motorradtour auszunutzen. Ich rief meinen
Funkerfreund Franz DK7RF über unser Amberger Hausrelais und
fragte, ob er mich begleiten wollte. Als Franz mich fragte wohin
es denn gehen sollte erklärte ich ihm, was ich vorhatte. Mit einer
Fotografie der Kapelle wollte ich zum Flugplatz Günching fahren
um Näheres über das Kirchlein zu erfahren. Wir hatten Glück und
am Flugplatz wurde uns geholfen. Man erklärte uns den Weg und
der Rest war ein Kinderspiel. „Wallfahrtskirche Maria
Lengenbach“ war der Name dieses kleinen Schmuckstückes. Erst
neu renoviert glänzte es uns in der Spät -nachmittagssonne
entgegen. Ich machte auch gleich noch einige Aufnahmen die
zeigen sollten, um welch ein Kleinod es sich bei diesem (wohl
nur wenigen Leuten bekannten) Kirchlein handelt.
Doch nun wieder weiter in der Beschreibung unseres
sonntäglichen Fliegerausflugs.
Inzwischen war Beilngries in Sichtweite gekommen. Das
Altmühltal lag unter uns, rechts sahen wir den Flugplatz Berching,
inzwischen frei anfliegbar. Berching war lange Zeit ein reiner
Privatplatz und man konnte diesen nur mit Sondererlaubnis
anfliegen. Der neue Rhein-Main-Donaukanal und der alte Donau -
Ludwig – Main Kanal, das Kloster Plankstetten zogen unter uns
durch. Rogi hatte inzwischen Kontakt mit Beilgries Info auf der
Frequenz 118,35 aufgenommen und die Freigabe für den
Landeanflug auf die 10 bekommen. Wir umflogen das Schloss
Hirschberg auf der nordwestlichen Seite und drehten in das
Endteil für die 10. Beim Anflug im Endteil auf die Bahn fliegt
man fast in Augenhöhe am Schloss Hirschberg vorbei. Rogi hatte
recht, ein wirklich schönes Bild, das man genießen musste. Für
mich als 2. Mann im Cockpit wahrscheinlich noch
beeindruckender, denn ich konnte mir die Sache doch besser
ansehen als der Pilot, der sich zu diesem Zeitpunkt schon auf
Landung konzentrieren musste.
Die Landung klappte ohne Komplikationen und man dirigierte uns
zu einem Abstellplatz an der westlichen Platzseite. Die
Landebahn selber war OK, aber der Bereich des Abstellplatzes
war doch mehr als holperig und könnte schon mal eine intensive
Bearbeitung mit einer Walze vertragen.
Nachdem Rogi die Formalitäten am Tower (Landegebühr)
erledigt hatte, machten wir uns daran, die einzelnen Hallen zu
besichtigen. Eine Menge Flugzeuge aller Art waren hier
stationiert: Vom einfachen Drachen über Tragschrauber,
Motorsegler, Motormaschinen bis zu Hubschraubern war alles
vertreten. Auch einen kleinen, einsitzigen Hubschrauber hatten sie
in der Halle stehen. Eine solche Maschine hatte ich überhaupt
noch nicht gesehen. Wie uns gesagt wurde war es eine
italienische Konstruktion, angetrieben vom gleichen Rotaxmotor
wie er auch in unserer Dimona eingebaut ist. Nun machten wir
uns auf, den Kaffee und Kuchen des Flugplatzrestaurants zu
testen. Doch wir hatten Pech: Das Restaurant war ausgerechnet an
diesem Tag geschlossen. Wir überlegten nicht lange und nahmen
uns den Straubinger Flugplatz als nächste Ziel vor. Dort sollte es
bestimmt Kaffee und etwas zu Essen geben. Um für die
Navigation ohne das heute übliche GPS in Übung zu bleiben,
schaltete Rogi das GPS nicht an. Wir navigierten wie früher:
Immer schön dem Strich auf der Karte folgend und immer mit dem
durchziehenden Gelände vergleichend.
Man muss allerdings zugeben: Allzu schwierig war es anhand der
vorgegebenen Geländemerkmale nicht, nach Straubing zu finden.
Zuerst war da der Kanal und ab Regensburg begleitete uns die
Donau. Außerdem war die Sicht so gut, dass man von Regensburg
aus schon Straubing erahnen konnte. Am Kanal entlang war es
herrlich zu sehen, wie sich dieser durch das Altmühltal
schlängelte.
In Regensburg wollten wir auch noch den dortigen Segelflugplatz
Oberhinkhofen besuchen. Nachdem aber mehrere Versuche, per
Funk Kontakt aufzunehmen fehlschlugen, verzichteten wir auf eine
Landung und flogen weiter in Richtung Osten. Die Rauchfahne aus
dem Kamin der Regensburger Zuckerfabrik hatte uns schon von
weitem den Weg nach Regensburg angezeigt. Das Zentrum von
Regensburg und auch die Walhalla zogen vorbei. Auf der Höhe
von Wörth an der Donau nahm mein Pilot Kontakt mit der
Straubinger Kontrolle auf und bekam auch sofort die Freigabe
zum Direktanflug. Nach einigen Minuten schwebten wir dann
auch über die der Straubinger Landebahn vorgelagerten Weiher
zur Landung ein.
Nachdem wir unseren Flieger abgestellt und unsere Landegebühr
beglichen hatten, gingen wir in das recht gut besuchte
Flugplatzrestaurant. Jetzt gab es endlich den gewünschten Kaffee
für mich. Mein Pilot Rogi zog es vor, von der Karte zu bestellen.
Er hatte auf dieser ein „Lüngerl“ gefunden, ein Gericht, nach dem
er schon seit langem wieder einmal Gelüste hatte, wie er mir
sagte.
Der Betrieb auf dem Flugplatz hielt sich in Grenzen. Eine
„Zweimot“ startete, ein Hughes 300 Hubschrauber der vor dem
Restaurant abgestellt war ließ seinen Motor an und machte
ziemlichen Radau bis er abflugbereit war. Ich hatte
währenddessen die Leute beobachtet, ob es denen wohl zu laut
wäre. Aber keiner zeigte auch nur das geringste Anzeichen des
Ärgerns, eher das Gegenteil! Ich glaube Leute, die den Flugplatz
besuchen erwarten, dass es da nicht so ruhig zugeht. Sie wissen,
dass auf einem Flugplatz eine besondere Atmosphäre herrscht die
auch einen gewissen Lärm beinhaltet. Eine Piper drehte ihre
Runden, wohl ein Schüler der Starts und Landungen übte.
Nun wurde es langsam Zeit, dass wir uns wieder in Richtung
Heimat aufmachten, hatten wir doch versprochen, die Maschine
bis 14:30 Uhr wieder auf den Platz zu bringen. Nach dem Start
legte Rogi den Kurs von 310 Grad an und ab ging es in Richtung
Amberg. Ich saß nun auf der der Sonne abgewandten Seite, was
für mich zum Fotografieren von großem Vorteil war. Um es noch
einmal zu sagen: Die Sicht war einfach großartig und an den
bunten Farben der unter dem Flugzeug durchziehenden
Mischwälder konnte ich mich nicht satt sehen.
Kurz vor 14:30 erfolgte die Landung in Amberg. Wir hatten den
Flieger zur versprochenen Zeit zurückgebracht, betankt und
wieder flugfertig gemacht.
Es waren einige schöne Stunden in der Luft an einen herrlichen
Herbsttag.
Unten habe ich noch einige Bilder aus der Gegend zwischen
Straubing und Amberg eingefügt:
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