Nach dem Aufbauen der Zelte machten meine beiden
Begleiter noch einen Spaziergang durch Hallstatt. Ich zog es
vor, beim Zelt und der Maschine zu bleiben und nutzte die
Zeit zum Duschen und für eine Erkundungstour über den
Platz. Inzwischen waren bedrohlich anzusehende Wolken
aufgezogen und es sah sehr nach Gewitter aus. So kam es
denn auch: In der Nacht entlud sich ein Gewitter wie ich es
noch selten erlebt hatte. Zwischen den engstehenden
Felswänden krachte es zum Fürchten. Aber die Müdigkeit
und meine zwei schnell getrunkenen Weißbier machten das
Ganze für mich erträglich! Unsere Zelte wurden einer
Dichtigkeitsprobe unterzogen und bestanden sie nur zum
Teil. In der Hoffnung, dass wir beim zweiten Zeltaufbau in
Italien sein würden und die italienische Sonne alles wieder
trocknet, nahmen wir die Feuchtigkeit nicht ganz so ernst.
Nachdem die Motorräder wieder bepackt waren und nach
einem kräftigen Frühstück in der Wirtschaft des
Campingplatzes (Eier mit Speck sind wirklich
empfehlenswert) war es Zeit, den zweiten Tag in Angriff zu
nehmen.
Wir fuhren am Südende des Hallstädtersees entlang, in
Richtung Obertraun, den Knoppenpass hoch, über Bad
Ausee, Bad Mitterndorf, und Pürgg nach Niederöblarn. Als
ich Niederöblarn auf den Wegweisern las wusste ich schon,
dass nun eine größere Pause anstand, denn welcher
Segelflieger kann schon an Niederöblarn vorbeifahren ohne
anzuhalten! Das ist nicht möglich, denn dazu ist dieser
Alpenflugplatz einfach zu bekannt unter den Segelfliegern.
So kam es dann auch, dass wir annähernd 2 Stunden
brauchten, bis wir uns am Flugplatzbetrieb und vor allem in
der riesigen, mit allen möglichen Flugzeugen vollgestopften
Halle,sattgesehen hatten.
Weiter fuhren wir über eine von den Niederöblarner
Fliegern empfohlene Strecke, die „Erzherzog Johann
Strasse". Der folgende Sölkerpass selber ist nicht unbedingt
aufregend aber schön gemütlich zu fahren. Erwähnenswert
sind die dort häufig eingebauten querliegenden Brücken aus
Eisen- knüppeln. Nachdem ich einmal darauf ausgerutscht
bin habe ich mich dafür interessiert und erfahren, dass dies
Sperren für die dort frei laufenden Kühe sind. Die
Rindviecher trauen sich nicht über die ca. 10 cm
auseinander liegenden Eisenknüppel. Somit wirken sie wie
ein Zaun über die Strasse. Auf der Passhöhe angekommen
verdrückten wir auf einer Bank, die sich im Schatten einer
kleinen Kapelle befand, unser Mittagessen aus dem
Topcase. Für die in diesen Koffern von Zuhause
mitgebrachten Essensvorräte wurde es langsam Zeit
verbraucht zu werden, denn sie kamen zusehends an die
Grenze ihrer Haltbarkeit ! Danach machten wir uns auf den
Weg durch die Gurktaler Alpen mit dem nächsten Ziel
Turracherhöhe. Der Abstieg von der Turracherhöhe in
Richtung Süden ist recht interessant: 23% Gefälle! Sepp,
der so etwas das erstemal mit dem Motorrad befuhr, meinte,
dass das einem gesteuerten Absturz gleich kommt. Weiter
ging es bis Villach als nächster Station. Über Feldkirchen
den Ossiachersee entlang erreichten wir Villach. Hier habe
ich mein Navi mal wieder auf die Probe gestellt und trotz
einiger Straßenbaustellen in der Stadt schaffte es meine
„Sussi" recht gut und wir kamen ohne größere Umwege in
Arnolstein an. Nun ging es über die italienische Grenze ins
Land der Römer. So ein Grenzübergang ist heutzutage dank
Europa kaum mehr zu bemerken. In Traviso nahmen wir die
Abzweigung Richtung Slowenien (wurde uns auch von den
Niederöblarer Fliegern empfohlen) wobei es schon einige
Zeit dauerte, bis wir die richtige Strasse fanden. Das Navi
versagte den Dienst und bei einem italienischen LKW
Fahrer, der unser Dilemma erkannte und uns helfen wollte,
scheiterte es an unseren Sprachkenntnissen. Aber
schließlich fanden wir den richtigen Zugang zum Passo
Pretil. Es ging bis kurz vor die Grenze nach Slowenien dann
rechts ab zum Passo Nevea. Dieser Pass ist landschaftlich
wunderschön und kann nur empfohlen werden. Kurz nach
der Abzweigung zu diesem Pass fanden wir ein Relikt aus
dem 2.Weltkrieg. In einer seitlichen Ausbuchtung der
Strasse steht ein nicht gerade kleines amerikanisches
Geschütz. Eigentlich wäre es schöner gewesen, durch
Slowenien „hinunter" bis Udine zu fahren aber keiner konnte
uns wirklich sagen, ob man in Slowenien einen Pass braucht
oder ob man mit dem Personalausweis zurecht kommt. Wir
drei Spezialisten hatten natürlich nur den Personalausweis
dabei und so entschlossen wir uns, den oben erwähnten Pass
Nevea zu befahren. Da die Gegend von hier aus Richtung
Meer nicht viel für Motorradfahrer zu bieten hat und da die
Tageszeit auch schon recht fortgeschritten war, rangen wir
uns für das letzte Stück bis Caorle zu einer Autobahnfahrt
durch. Ca. 130 km fuhren wir für 7,50 € auf der Autobahn,
immer zwischen den vielen LKW`s. Von deren Bugwellen
durchgeschüttelt waren wir froh, als wir die AB wieder
verlassen konnten. Jetzt waren es nur noch ca. 30 Km und
wir waren an unserem Ziel, dem riesigen „ Ferienzentrum
„PRA delle TORRI". Es wurde auch Zeit, denn man wird
nur bis 20:30 Uhr aufgenommen. Nach der Anmeldung und
dem Aufbau unser Zelte ging es gleich mal zur Abkühlung in
das Mittelmeer. Jetzt hatte ich endlich Zeit, meine Enkel zu
suchen. Sie mussten, wenn alles so verlaufen war wie
geplant, schon da sein. Da der Platz zu groß war, um nach
einem Auto mit Amberger Nummer zu suchen, ging ich
gleich zur Platzverwaltung und ließ nachsehen, ob die
Familie Ebert aus Deutschland eingetroffen war. Trotz aller
Bemühungen war nichts zu finden. Ein Anruf zu Hause
brachte die Nachricht, dass die Jungs Windpocken haben
und aussahen wie ein Streuselkuchen. Also waren wir
alleine hier und konnten uns ausruhen. Das Programm
änderte sich grundlegend: Spätes Aufstehen, langes
Frühstücken, ins Wasser gehen, mittags eine Kleinigkeit als
Selbstversorger essen, danach lange schlafen, nochmals ins
Wasser, duschen und ausgehen, um Caorle anzuschauen.Viel
Kultur jung und alt gabs zu bestaunen. Danach Abendessen,
spät zurück ins Camp fahren, bis spät in die Nacht vor dem
Zelt sitzen, Rotwein trinken und schlaue Gespräche führen
bis die Zunge nicht mehr gehorcht. Anscheinend bin ich
nicht oft genug unterwegs, denn ich fand alles unheimlich
teuer. Wollte ich länger bleiben, wäre meine Rente bald
aufgefressen. Am dritten Tag machten wir uns wieder
bereit, in Richtung Heimat zu fahren. Um wieder
möglichst schnell in die Berge zu kommen haben wir bis
Pordenone die Autobahn gewählt, dann gings auf der
Landstraße bis Spilimbero. Hier ist die Beschilderung
verwirrend und so haben wir uns etwas schwer getan die
kleine Straße Richtung Gebirge zu finden. Sie verläuft am
Rand eines immer enger werdenden Tales und wird
schließlich am Südrand des Mte.Verzegnis (1915m) zu
einer richtigen Bergstraße. Das Wetter war recht heiß und
schwül, eine eiskalte Quelle brachte die ersehnte
Erfrischung. Am späteren Nachmittag erreichten wir dann
Tolmezzo ab hier war es schon wieder interessant, denn
wir waren schon wieder mitten im Gebirge. Recht schön
war der Plöckenpass, den wir nun anfuhren. Hier machten
wir zum ersten Mal an diesem Tag eine Pause. Als wir die
Weiterfahrt antraten und das erste Stück talwärts sehen
konnten, erschrak ich doch etwas: Man stand genau in Höhe
der Nabe eines riesigen Windrades. Was man sonst meist
nur aus der Ferne sah oder ganz hoch oben, stand nun
Auge in Auge in ca. 50 Meter Abstand gegenüber. Man hatte
in den Taleinschnitt eine Windkraftanlage gebaut. Der Bau
an der Stelle war sicher nicht die schlechteste Idee, wirkt
doch das enge Tal wie eine Düse und produziert immer
hohe Windgeschwindigkeiten.
Auf der Nordseite des Passes ging es weiter über
Kötschach, den Gailbergsattel immer in Richtung Lienz. Vor
Lienz kamen wir in Nikolsdorf wieder an einem Flugplatz
vorbei, den wir natürlich unbedingt besuchen mussten. Peter
und ich waren 1980 an diesem Platz, um eine Woche
Fliegerurlaub zu verbringen. Von den anwesenden Fliegern
konnte sich aber keiner an diese Zeit erinnern. Wir konnten
die im Hangar abgestellten Flugzeuge besichtigen, boten
unseren Motorsegler an, den wir von unserem Verein aus
gerne verkaufen würden, sowie Peters SF 27 und den Spatz
des Vereinskollegen Schinhammer. Übernachten wollten
wir im Gasthaus Plankensteiner in Gödnach ( das Lokal
kannten wir noch aus früherer Zeit), bloß den Weg wussten
wir nicht mehr so genau. Ein Fliegerkollege vom Flugplatz
führte uns ruckzuck vor Ort. Wir hatten uns geeinigt, die
Zelte nicht mehr auszupacken: Wir waren ganz einfach zu
faul. Sepp gefiel das zwar am Anfang nicht so recht, aber
schließlich war auch er einverstanden. Nachdem wir uns
den Staub der Strasse abgeduscht hatten, gingen wir zum
Abendessen und anschließend ins Quartier. Wir waren in
einem separat stehenden Haus untergebracht und hatten es
für uns ganz alleine. Beim gemütlichen Beisammensein
planten wir unseren nächsten Tag, ließen die vergangenen
Tage noch einmal Revue passieren und so ganz nebenbei
betäubten wir die schmerzenden Sitzflächen mit Rotwein.
Am nächsten Tag, es war inzwischen Samstag geworden
und ich musste unbedingt am Abend zuhause sein, machten
wir uns in Richtung Großglockner auf. Das Wetter war sehr
schön und den „Glockner" wollten wir unbedingt noch
mitnehmen. Über den Iselsberg, Winklern, Großkirchheim
und Heiligen Blut kamen wir an den Fuß des
Großglockners. Der Aufstieg verlief problemlos wenn man
einmal davon absieht, dass halt viele Biker unbedingt eher
auf dem Berg sein wollten als wir. Wir fuhren hoch bis zur
Franz-Josefs-Höhe,und ich war wieder einmal vom starken
Rückgang der Alpengletscher überrascht. Das letzte Mal
war ich vor ca.30 Jahren hier oben und der Gletscher ging
bis weit unter die Josefs-Höhe. Jetzt war alles weg, nur
noch grauer Gletscherschutt war zu sehen sowie starke
Bäche aus den Resten des Gletschers! In Zell am See fuhren
wir langsam am Flugplatz vorbei. Zum Anhalten und ein
wenig Zuschauen war nicht mehr genug Zeit! Über den Pass
Thurn, Kitzbühl, St. Johann ging es weiter bis Kufstein. Hier
machten wir die letzte Pause und kamen überein, nicht über
Rosenheim und die B 15 zu fahren, sondern lieber gleich die
Autobahn zu nehmen: Das heimatliche Bett lockte zu sehr.
Gegen 21:15 Uhr kamen wir zuhause an und fielen nach dem
Duschen todmüde ins Bett. Knapp 550 Kilometer hatten wir
an diesem Tag unter den Rädern. Es war eine anstrengende
aber wirklich sehr schöne Tour!
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